Magdalenengarten: Ein Kleinod mitten in der Stadt

Seit 2002 ist er ein Garten im barocken Stil, so wie er sich bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts präsentierte. Nach Plänen dieser Zeit wurde er vom Landschaftsarchitekt Dr. Hans-Joachim Tute rekonstruiert. Doch ist es nur eins der vielen Gesichter, eng verbunden mit dem einst angrenzenden Magdalenenkloster und dem heute hier angesiedelten Caritas-Senioren- und Pflegeheim Magdalenenhof.

Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1224. Die Magdalenerinnen, ein in Italien entstandener Bettelorden, nutzten dieses Stück Land für den Anbau von Obst und Gemüse. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war dieser Garten kein Ort zum Lustwandeln. Vielmehr versorgte er die Bewohner des 1952 gegründeten Senioren- und Pflegeheims mit dem Nötigsten: Kartoffeln Zwiebeln oder auch mit schwarzen Johannisbeeren, Birnen und Äpfeln. Bis in die 70er Jahre mussten die Bewohner bei der Ernte mithelfen. Heute wäre dies undenkbar, das Konzept der Pflege hat sich verändert. 

Magdalenengarten in voller Pracht
Frau im Magdalenengarten
Magdalenengarten in voller Pracht

Und somit auch der Garten. Von Nutzen hingegen ist er immer noch, doch vielmehr von ästhetischem. 1800 verschiedene und oft thematisch angeordnete Rosen warten auf ihre Besucher. Zum „Weißen Garten“, relativ nah am Eingangsbereich, kommen oft Brautpaare, um ihren Hochzeitsfotos das richtige Motiv zu geben. Für das Gedeihen dieser Blumen wie auch für die anderen sorgen hauptsächlich Ehrenamtliche.

Ceres wacht über das Blütenmeer

Eine ganz andere Geschichte erzählt der die Westseite begrenzende Wall. In staatlichen Besitz ging das Kloster zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ebenso wie die einstige Benediktinerabtei St. Michael wurde auch aus den Gebäuden des Magdalenenklosters eine Heil- und Pflegeanstalt. Die in dieser Zeit errichtete Mauer diente als Sichtschutz, um die „Geisteskranken“ von der Bevölkerung abzuschotten. Sucht man die Mauer auf, kann man direkt auf die Michaeliskirche blicken. Am Fuße dieser Mauer ist es die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, die über das Blumenmeer wacht. Sie ist nicht die Einzige: Nördlich lädt eine Marienfigur zum Verweilen ein.

Genießen lässt sich das Blumenmeer vor allem von erhöhter Position. Und hier gibt es einige Plätze, die es aufzusuchen lohnt. Beispielsweise die nördlich gelegene „Alte Bastion“, eine freigelegte Aussichtsplattform, oder der ebenfalls nördlich gelegene Weinberg. Ein guter Brauch vergangener Zeiten wird hier noch gepflegt. Der Zehnte des Ernteertrags, bereits in Wein verwandelt, geht an den Bischof. Ob diese Steuer im tatsächlichen Umfang bezahlt wird, wissen nur die beiden Pächter. 

Unser Bistum: 
Hildesheim, Niedersachsen