280 Kilometer für den Klimaschutz

Rudolf Krewer absolviert einen Teil des ökumenischen Pilgerweges von Flensburg nach Paris
Flensburg/Buxtehude (wal). Stolze 1470 Kilometer ist er lang – der Ökumenische Pilgerweg von Flensburg nach Paris.  Und Druck soll er machen – für mehr Klimagerechtigkeit.

280 Kilometer des Pilgerweges hat Rudolf Krewer in den Beinen. Der 72-jährige ehemalige Realschulrektor aus Stadthagen ist die erste Etappe des Pilgerweges mitgelaufen – von Flensburg bis Hamburg. Zusammen mit seinem Nachbarn und „Pilgerbruder“ Dr. Ulrich Soergel.

Zwölf Tage haben die Pilger  für diese Strecke benötigt. „Eine spannende Zeit“, sagt Krewer, der auch Mitglied des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Hildesheim ist. Die Unterbringung war einfach, die Füße manchmal platt, aber die Gemeinschaft hat getragen. 

Zwei Elemente waren für ihn entscheidend diesen Weg mitzugehen. „Wir müssen ein Zeichen gegen die Misshandlung von Gottes Schöpfung setzen“, betont Krewer. Viele Menschen, gerade in der sogenannten Dritten Welt, müssen jetzt schon ihre Heimat verlassen: „Vor allem wegen der massiven Verschlechterung des Klimas, die sie nicht zu verantworten haben.“

Rudolf Krewer und Dr. Ulrich Soergel aus Stadthagen

Sie sind mitgegangen – 280 Kilometer: Rudolf Krewer und Dr. Ulrich Soergel aus Stadthagen.

Kraftort und Schmerzpunkt entlang der Strecke

Krewer ist überzeugt, dass vor Ort etwas gegen den Klimawandel getan werden kann. So führt dann auch der Pilgerweg an Kraftorten und Schmerzpunkten der Schöpfung vorbei. „Zum Beispiel an Mooren, die ein natürlicher Speicher für klimaschädliches Kohlendioxid sind.“ Sie gelte es zu schützen und nicht dem schnellen Profit zu opfern. Weitere Kraftpunkte: ein ehemaliger Truppenübungsplatz, der nun wieder von Tieren und Pflanzen als Lebensraum zurückerobert wird. Oder Windräder und Sonnenkollektoren, die erneuerbare Energie produzieren.

Schmerzpunkte dagegen: Orte, an denen durch ein Chemikaliengemisch Schiefergas aus dem Boden gepresst werden soll. Die große Gefahr beim sogenannten Fracking:  Das Trinkwasser könnte vergiftet und kleinere Erdbeben könnten ausgelöst werden. Oder ein Truppenübungsplatz: „Gerade hier haben wir differenziert das Für und Wider erörtert“, berichtet Krewer. Manchmal gebe es keine einfachen Antworten.

Aber noch ein zweiter Aspekt war für Krewer entscheidend: „Die spirituelle Dimension“, sagt er. Das unterscheide Wandern von Pilgern.

 

Andacht und Gebet geben Tag Struktur

Morgenandacht, Reisesegen, Mittagsgebet und ein Gottesdienst am Abend haben dem Tag Struktur gegeben. Auch an den Kraftorten und Schmerzpunkten habe die täglich wechselnde Gruppe ihre Bitten vor Gott gebracht – in ökumenischer Gemeinschaft: „Manchmal dürfte ich der einzige Katholik in der Gruppe gewesen sein“, meint Krewer.

Begleitet wurde seine Gruppe auf der Strecke von Scouts des Verbandes Christlicher Pfadfinder. „Sie haben unter anderem für das Essen gesorgt.“ Die Verpflegung wurde nicht mitgebracht, sondern Abend für Abend in Bäckereien und Supermärkten erbeten – Lebensmittel, die sonst weggeworfen werden. „Glauben Sie mir“, betont Krewer, „wir haben gelebt wie Gott in Frankreich.“ 

Für Krewer endete der Weg vorerst an der Grenze zum Bistum Hildesheim. Der Pilgerweg führte unter anderem nach Harsefeld, zu den Steyler Missionsschwestern. „Wir hatten dort die Möglichkeit, unsere Bolivienpartnerschaft vorzustellen“, sagt Christine Siebert. Die Garbsenerin engagiert sich seit über 25 Jahren für die Partnerschaft des Bistums mit der Kirche des lateinamerikanischen Landes. „Unsere Verbindung ist auch ein Ausdruck gemeinsamer Verantwortung für die Schöpfung“, unterstreicht Christiane Siebert. 

Fragen von Reichtum und Armut, aber auch von Umweltschutz und Ausbeutung der Natur haben die Partnerschaft stets begleitet – mit Projekten zur Hilfe, mit Überdenken des eigenen Verhaltens und im Gebet. Ein kleiner Kraftort, der zeigt: Geht doch! Zurzeit sind die Pilger zwischen Wuppertal und Remagen unterwegs.

Unser Bistum: 
Stadthagen, Niedersachsen
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