Wanderer zwischen den Welten

Ferienvertreter aus Indien baut im Dschungel ein Zentrum für Spiritualität und Frieden
Sie kommen von allen Kontinenten und bringen ein Stück Weltkirche ins Bistum Hildesheim. Auch Pater John aus Indien übernimmt während der Sommermonate eine Urlaubsvertretung. In Hannover berichtet er, wie er in seiner Heimat das Kloster Laverna aufbaut.

Das Gelände ist abgelegen. Im Naturschutzgebiet leben Elefanten, Gaur-Büffel und sogar Tiger. Der Kapuziner sagt: „Einmal hat ein Tiger direkt vor meinem Jeep den Weg überquert.“ Nur auf diesem schmalen Weg, nur mit dem Jeep und nur in der Trockenzeit kann Material hoch zur Baustelle gebracht werden. In Etappen, immer wenn wieder etwas Geld da ist, geht der Bau des Klosters Laverna voran – schon seit elf Jahren. Von seinem Orden hatte der Kapuzinerpater Dr. Johns ein zwei Hektar großes Grundstück auf der Spitze eines 1600 Meter hohen Berges in einem Naturschutzgebiet bei  Munnar im südindischen Bundesstaat Kerala bekommen. Ziel: ein für alle Menschen offener Bereich für Exerzitien und Meditation mit Kapelle, Wohnhaus mit sechs Schlafzimmern und einem Garten zur Selbstversorgung.

Pater Johns

Kolpingvorsitzender Bernd Diedrich überreicht Pater Johns die Spende.

Pater Johns

Am Palmsonntag steigen die zwölf katholischen Familien der Gemeinde aus dem Tal den Kreuzweg zum Kloster Laverna hoch. Die einzelnen Kreuzwegstationen hat Pater Johns selbst hergestellt.

Pater Johns

Die Baufirma arbeitet nicht nach deutschen Sicherheitsvorschriften. Schwindelfreiheit, Beweglichkeit und Stoßgebete des Paters müssen Baugerüste ersetzen.

Statt Versicherung gibt’s ein Stoßgebet

Die Baufirma arbeitet nicht nach deutschen Sicherheitsvorschriften. Schwindelfreiheit, Beweglichkeit und Stoßgebete des Paters müssen Baugerüste ersetzen. „Bis jetzt ist nichts passiert“, sagt Pater Johns, „aber so oder so, jeder muss einmal sterben — auch mit Unfall- und Privatkrankenversicherung.“ Einen Teil der Bauarbeiten verrichtet Pater Johns auch in Eigenleistung. So hat er mit Hammer und Meißel den Kreuzweg erstellt. Selbst Ikonen kann er malen. Das hat er in Italien gelernt, wo er im Jahr 2003 promoviert hat.

Pater Johns ist Theologie-Professor und arbeitet an den Priesterseminaren seines Bistums und seines Ordens in Kottajam (Kerala). Sein Spezialgebiet ist das Alte Testament, vor allem das Thema Hiob. Er schreibt theologische Bücher, von denen jetzt im Winter wieder ein paar erscheinen sollen.

Sein übergreifendes geistliches Interesse rührt von seinen Eltern her. Pater Johns ist ein Thomas-Christ der mit Rom verbundenen syro-malabarischen Kirche. Und: Er gehört der höchsten Kaste, den Brahmanen, an. Denn sein Vater stammte von den Brahmanen ab, die der Apostel Thomas vor 2000 Jahren in Südindien bekehrte. Wie diese spricht Pater Johns die indische Sakralsprache Sanskrit, fastet und ernährt sich vegetarisch. 

Pater Johns’ Mutter gehört zu einer anderen Gruppe innerhalb der syro-malabarischen Kirche: den Kananiten. Diese sind die Nachfahren von 72 judenchristlichen Familien des chaldäischen Ritus, die in der Mitte des vierten Jahrhunderts von Kana in Galiläa nach Südindien an die Pfefferküste ausgewandert waren. Die heute 200 000 Kananiten halten die jüdischen Gesetze weiter ein. Sie gelten als die letzten Judenchristen innerhalb der katholischen Kirche. Pater Johns nennt ein Beispiel: „So haben meine Kusinen bei der Hochzeit siebenmal unter dem Trau-Baldachin ihren Bräutigam umkreist.“ Die Heirat seiner Eltern war eine Ausnahme. Denn die Nachfahren der Brahmanen wie auch die Kananiten heiraten im Prinzip nur innerhalb ihrer Gruppe.

Für Hindus ist Pater Johns, obwohl Christ, ein Brahmane. Er wird von ihnen mit Ehrfurcht behandelt und bei Streit gern als Schiedsmann hinzugezogen. Nach jüdischem Gesetz ist er Jude, da er von einer jüdischen Mutter abstammt. Für die Mitglieder des Kirchortes St. Franziskus ist der Pater ein faszinierender Exot, dessen Laverna-Projekt sie seit vielen Jahren finanziell unterstützen. Über sich selbst sagt er: „Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten.“

 

Seit elf Jahren Gast in St. Franziskus

Seit 2005 vertritt Kapuzinerpater Dr. Johns (53) im Kirchort St. Franziskus in Hannover während der Sommerferien den Pfarrer. Mit dem Vertretungshonorar und Spenden finanziert er den Klosterbau in seiner Heimat. Auf einem Info-Abend der Kolpingsfamilie St. Franziskus konnte er jetzt verkünden: „Das Kloster steht kurz vor der Fertigstellung.“  Wann genau, ob noch in diesem oder erst im kommenden Jahr, hänge vom Monsum, der gerade begonnenen Regenzeit, ab.  Dankbar nahm er die erneute Spende der Kolpingsfamilie in Höhe von 322 Euro für die Kirchenfenster des Klosters Laverna in Empfang.

Unser Bistum: 
Hannover, Niedersachsen