Am Rosenkranz hängt sein Herz

Waldemar Czoks fromme Sammel-Leidenschaft hat die Zehnttausender-Marke überschritten
Einer der wohl größten Verehrer des Rosenkranzes wohnt im hannoverschen Stadtteil Mittelfeld. Waldemar Czok (51) hat Tausende der Gebetsketten aus der ganzen Welt gesammelt.

Das Sonnenlicht auf den Glas-vitrinen lässt es funkeln und glitzern. In der Wohnung des alleinstehenden Hausmeisters im Kirchort St. Eugenius befindet sich eine der umfassendsten privaten Rosenkranz-Sammlungen der Welt. Waldemar Czok öffnet die Glastüren und erklärt: „Hier, das ist ein Rosenkranz aus Steinsalz. Er stammt aus dem Salzbergwerk Wieliczka in Polen. Das daneben ist ein aus Muscheln gefertigter Rosenkranz aus Kuba. Hier, dieser bräunliche ist ein Rosenkranz aus Bernstein, mein erster, den ich als Kind geschenkt bekommen habe.“

Rosenkranzsammler

Rosenkränze gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien. Waldemar Czok hat auch ein Exemplar aus Steinsalz.

Er besitzt auch einen Rosenkranz in Übergröße

Waldemar Czoks Lieblingsrosenkranz ist ein speziell nach seinen Wünschen in einer israelischen Werkstatt gefertigter Rosenkranz aus echten Perlen mit Goldkreuz und eingesetzten Brillanten. Aber das Sortiment ist umfassender. Da ist zum Beispiel ein Rosenkranzring für Babys mit kirschgroßen Kugeln in blauer und weißer Farbe; der ganze Ring besteht aus beißfestem ungefährlichem Kunststoff. Auch Rosenkränze im XXL-Format gibt es. Wer die tragen soll, ist nicht klar. Bud Spencer? Oder vielleicht Hoss Cartwright beim beschaulichen Abendgebet auf der Ponderosa-Ranch? Waldemar Czok jedenfalls, obwohl auch nicht klein gewachsen, muss sich die Kette zweimal um den Hals wickeln, damit das Kreuz nicht unterhalb der Knie baumelt.

Wie viele Rosenkränze hat er eigentlich? Waldemar Czok sagt: „Das letzte Mal habe ich sie vor sechs Jahren gezählt. Da waren‘s 7000. Jetzt dürften es sicher über 10 000 sein!“ Die passen nicht alle in sein Wohnzimmer. In den Vitrinen liegen nur 400 Rosenkränze. Die anderen sind in Kisten verpackt.

Der Rosenkranz begleitet Waldemar Czok seit seiner Kindheit: „Ich stamme aus Gumpertsdorf bei Oppeln in Oberschlesien. Da bin ich schon als Kind mit dem Rosenkranzgebet aufgewachsen. Ich bete den Rosenkranz täglich, oft mehrmals“, erklärt der 51-jährige. Die Sammelleidenschaft hat ihn aber erst vor 20 Jahren gepackt. Anlass waren Marienwallfahrten. Der Hausmeister unternimmt oft mehrere Wallfahrten im Jahr. Ob Altötting, Kevelaer, Tschenstochau, Lourdes oder Fatima — er kennt die meisten Wallfahrtsorte und war schon mehrfach dort. Seine weitesten Wallfahrten gingen nach Israel, Mexiko und Kuba.

 

Wallfahrtsorte haben großes Rosenkranzangebot 

An den Wallfahrtsorten ist das Angebot an Rosenkränzen meist verlockend. Immer bringt Waldemar Czok welche nach Hause mit. Oft sind es über 100 Stück. Wie nimmt seine Umwelt das Rosenkranzsammeln auf? „Die einen halten mich für verrückt, andere sehen es als ein normales Hobby an. Und ich meine: Muss ich mich denn dafür rechtfertigen?“, sagt Czok. 

Der Sammler bedauert, dass das Rosenkranzgebet unter deutschen Katholiken heute eine Nischenexistenz führt. Immerhin hat er seinen in Düsseldorf lebenden Bruder nach vielen Jahren zum Rosenkranzgebet zurückgeführt. Anlass war der Schlaganfall der Mutter im Herbst 2013. Jetzt beten die Brüder an jedem Sonntag gemeinsam für ihre Mutter den Rosenkranz: per Telefon.

Unser Bistum: 
Hannover, Niedersachsen